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Liebe und Bedürftigkeit

Geliebt zu werden und zu lieben ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Ein Bedürfnis ist meiner Ansicht nach ein tiefer Wunsch der Seele genährt zu werden, sich zu zeigen und zu entfalten. Er kommt aus dem ursprünglichen Sein heraus, der ins sichtbare, erfahrbare, sinnliche Leben kommen will. Es ist Ausdruck des Selbst, das sich daran erinnert, was es ist. Nämlich Liebe. Liebe dehnt sich aus, verströmt sich, verbindet alles was ist. Sie ist dieses Netz oder das Feld, das alles zusammen hält. Kleine Kinder wissen das noch. Sie verschenken ihre Liebe bedingungslos, frei und uneingeschränkt. Dann brechen unsere Normen, Vorurteile, Konditionierungen, Erziehungsmassnahmen und Gesellschaftsregeln ihre Herzen und trampeln darauf herum. Mit diesen gebrochenen Kinderherzen in der Brust taumeln wir noch als Erwachsene durchs Leben. Inzwischen haben wir vergessen, dass wir Liebe sind, dass sie als ein unerschöpflicher Quell in unserem tiefsten Sein sprudelt. Inzwischen glauben wir der Illusion, dass Liebe nur in begrenztem Mass und nur zu bestimmten Bedingungen zur Verfügung steht. Und wir glauben, dass wir sie von anderen Menschen bekommen können, wenn wir diese (ihre) Bedingungen erfüllen. Also schleppen wir uns wie Verdurstende durch die Wüste unseres Lebens auf der mehr oder weniger verzweifelten Suche nach einem Schluck Wasser.

Im Unterschied zum Bedürfnis als Wunsch der Seele sich auszudrücken, ist Bedürftigkeit der Glaube an den Mangel. Die Überzeugung, dass uns etwas fehlt und von aussen zugeführt werden muss, damit wir uns wieder ganz fühlen. Bedürftigkeit macht uns klein, abhängig und entzieht uns unsere Macht. Sie degradiert uns zu Opfern und Bettlern. Aber das sind wir nicht. Wir sind machtvolle, schöpferische Wesen. Der Stoff aus dem wir gemacht sind ist Liebe, und die steht uns unerschöpflich zur Verfügung. In uns. Alles was wir brauchen, um sie wieder fliessen zu lassen, ist uns daran zu erinnern und das angesammelte Gerümpel aus dem Weg zu räumen. Die Bedürftigkeit nach der Liebe von anderen aufzugeben bedeutet nicht, allein zu sein, sich abzuwenden und keine Beziehungen mehr zu haben.Es heisst vielmehr, sich erst einmal sich selbst zuzuwenden und die Fülle im eigenen Innern zu entdecken. Dann gehen wir nicht mehr mit leeren Händen, sondern mit überfliessenden Herzen auf andere zu. Wir haben dann etwas zu verschenken, anstatt zu fordern und zu erwarten. Wir warten nicht länger (umsonst) darauf, bis die andern uns beschenken, sondern wir helfen ihnen, sich ebenfalls zu er-Innern und dann begrünen wir gemeinsam unsere Wüsten. Unsere Beziehungen sind dann nicht länger ein Ziehen aneinander sondern tiefe Verbundenheit.

 

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