· 

Liebe ist Klarheit

Ich möchte heute einem Missverständnis vorbeugen, bzw. mit einer Idee von der Liebe aufräumen, die weit verbreitet zu sein scheint. Liebe ist nicht (nur) wattig, wohlig und weich und immer lieb, süss und nachgebend. Sie ist kein diffuses Licht, kein Nebel, der sich durch die Zwischenräume der Dinge hindurch schlängelt und sich leise auf die Gemüter legt, die ihr ein Fensterchen öffnen. Es funktioniert nicht, nur das Gute, das Schöne, das Liebevolle sehen zu wollen und das, was in einem weniger hübschen Kleid daher kommt, auszublenden und zu verdrängen. Das wäre, als tänzelten wir, ein frohes Lied trällernd, auf einer Wippe die Seite hinauf, die uns dem Licht näher bringt. Immer höher hinauf, den Schatten im Rücken, damit er uns ja nicht stört. Was passiert, wenn wir oben angekommen sind? Die Wippe kippt und wir sausen in die Tiefe und der ganze Dreck der sich auf der Gegenseite erhebt, rutscht auf uns drauf. So geht es nicht. Liebe sieht das ganze Bild uns schliesst alles mit ein. Sie ist klar wie eine frisch geputzte Fensterscheibe, die nichts von dem verbirgt, was auf der anderen Seite liegt. Die Liebe sieht genau hin und scheut sich nicht davor, auch unangenehme Dinge anzusehen und anzusprechen. Sie sieht hin anstatt weg. Sie gibt nicht vor, alles sei gut wenn es nicht so ist. Sie steht für sich selbst ein mit klaren Worten und Taten. Und indem sie das tut, übernimmt sie Verantwortung und kann die Schatten integrieren und heilen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0