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Welchen Wert geben wir uns?

Wir haben von klein auf gelernt, die anderen und ihre Bedürfnisse an die erste Stelle zu setzen, selbstlos zu sein und uns selbst nicht so wichtig zu nehmen. Unsere Nächsten haben aber mehr oder weniger dasselbe gelernt, und deren Nächste ebenfalls. Wessen Bedürfnisse sollen dann überhaupt erfüllt werden, wenn niemand wichtig genug ist? Und welchen Wert hat etwas, das unwichtig ist? Wohl keinen allzu grossen. Drehen wir uns dauernd im Kreis, wo eine versucht der anderen etwas zu geben? Aber was haben wir zu geben, wenn wir so wenig eigenen Wert besitzen? Sind unsere Hände und Herzen nicht eher leer und betteln selbst darum, dass uns jemand anderes doch bitte den Wert zusprechen möge, den die Welt und wir selbst uns versagen? In der Welt die wir kennen, müssen wir uns unseren Wert erst verdienen. Durch Leistung. Wer keine Leistung erbringt, verliert ihren Wert. Leistung ist der Massstab für unsern Wert. Und unser fehlender Selbstwert wird durch materielle Werte ersetzt. Was hat das mit Liebe zu tun? Liebe ist keine Leistung die man erbringt, sie entsteht auch nicht durch Leistung. Liebe ist. Einfach so. Bedingungslos. Immer.

Ich bin der Überzeugung, dass wir überaus wertvoll sind, einfach weil wir existieren. Und ich möchte lieber in einer Welt leben, in der jeder Mensch und jedes Tier als wertvoll angesehen und behandelt werden. Aber wie sollen wir den Wert in einem Mitmenschen oder einem Tier sehen -  ich meine wirklich erkennen, anerkennen mit ganzem Herzen und aus tiefster Seele - wenn wir uns selbst als wertlos empfinden? Wie könnten wir es ertragen, dass alle anderen wertvoller bzw. wichtiger sind als wir? Lieber sprechen wir den anderen auch ihren Wert ab oder stutzen ihn zumindest auf ein für uns erträgliches Mass zurück, damit wir daneben nicht untergehen.

Oder wir lernen, uns selbst zu lieben und geben uns selbst endlich den Wert, der uns zusteht als unser natürliches Geburtsrecht. Wenn wir unseren eigenen Wert in uns selbst gefunden haben, finden wir ihn auch in jedem Mitmenschen und in jedem Tier. Wir müssen uns unseren Wert dann nicht mehr verdienen, denn wir haben ihn uns verinnerlicht. 

Natürlich ist es schön, etwas zu leisten. Aber wir sollten es aus Freude tun dürfen, aus dem Bedürfnis heraus kreativ und schöpferisch und unterstützend zu sein und um gemeinsam an einer Welt zu bauen, in der es wert ist zu leben, weil der Wert von uns allen gefeiert wird.


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